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Die Serie "Blühender Militarismus" besteht aus drei Teilen. Ein Teil sind Keramiken, die sich mit Kriegsdenkmälern, die zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg entstanden sind, beschäftigen. Schwerpunkt sind hier die Auseinandersetzungen, die ab den 1980er Jahren um den darin zum Ausdruck kommenden Miliarismus geführt wurden. Der zweite Teil der Ausstellung sind Fotogrammetrien von heute noch zugänglichen Kriegszeichen, insbesondere Nagelungen, d.h. benagelte Kriegssymbole aus dem Ersten Weltkrieg. Der dritte Teil besteht aus einem Film zum aktuellen Thema Zeitenwende.


"Blühender Militarismus" Keramik 47x10x30cm, 2025, Vorbild: Kriegerdenkmal Worms


"Adler" Keramik 40x22x37cm Das Vorbild in Kalkar wurde mehrmals, meist mit Friedenssymbolen, "verschönert". Auf der Rückseite befindet sich ein Zitat aus Hitlers "Mein Kampf". Das Zitat wurde 2021 mit einer Platte abgedeckt.


"Teeren und Federn" Keramik 15x17x38cm, 2025
Das Marbacher Kriegerdenkmal wurde 1985 von der Frauengruppe "Blood, Sweat and Teer" geteert und gefedert.


"Bad Cannstatt", 25x25x32cm, Keramik 20x20x30cm, 2025
Das Kriegsdenkmal "Handgranatenwerfer" von Fritz von Grävenitz wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der noch vorhandene Kopf ist nun in einen Gedenkstein für das Grenadier-Regiment "Königin Olga" in der heute nach Theodor Heuss benannten Kaserne integriert.


"Bunt", Keramik 20x20x35cm, 2025
"Tücher", Keramik 20x20x35cm, 2025
Von Schülerinnen und Schülern in Radolfzell in Zusammenhang mit einer Friedensveranstaltung abgedecktes Kriegsdenkmal.


"Kran", Keramik 30x15x20cm, 2025
Die Figur wurde vermutlich während oder nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt. Vorbild: Rossleben


"23. Panzer-Division", Keramik 10x20x36cm, 2025
Das Reiterstandbild wurde 1999 aus Anlass eines Veteranentreffen der 23. Panzer-Division in Ludwigsburg mit Farbe bearbeitet.


"Farbeimer", Keramik 10x20x36cm, 2025
Vorbild für Adler: Eberdingen
Vorbild für Bearbeitung: Wien-Penzing

Keramiken: Vorbilder der Arbeiten sind Kriegsdenkmale, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden sind. Einerseits dienen die zu dieser Zeit entstandene Denkmäler dem Gedenken an die toten Soldaten des Ersten Weltkriegs und drücken die Trauer aus, teils warnen sie auch vor Krieg. Gleichzeitig erfüllen die meisten mehr oder weniger die Funktion, Hel- dentum zu verherrlichen und damit den nächsten Krieg vorzubereiten. Ausgewählt wurden Denkmäler, die diese Funktion in besonderer Weise erfüllen. "Die Kriegspropaganda verbreitete während des Ersten Weltkriegs eine he- roische Sicht des Kriegserlebnisses, die den Mythos vom ""siegreichen Frontkämpfer"" aus dem deutsch-französi- schen Krieg aufgriff, um für die Dauer des Krieges die Opferbereitschaft der Soldaten und der Männer und Frauen an der ""Heimatfront"" zu gewinnen. Nach der Niederlage 1918 wurde diese Sichtweise in den Aussagen der Kriegsdenkmäler wieder aufgegriffen. Dass dies mit der Wirklichkeit in den Materialschlachten im ""GROSSEN KRIE- GE" nichts mehr zu tun hatte, spielte dabei keine Rolle. Die Hilflosigkeit gegenüber dem Massensterben und die Unfaßbarkeit der Kriegsmaschinerie ging mit einem Sinnverlust einher, der in den Denkmälern mittels martiali- scher Kriegerfiguren und pathetischer Sinnsprüche kompensiert wurde." (Bernd Schmid-Kemmer, "...Leuchtest mir zum frühen Tod.", in Ludwigsburger Geschichtsblätter 46, S. 89) Die Keramiken thematisieren den Umgang mit die- sen Kriegsdenkmälern in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute. Teils wurden sie insbesondere auf Ver- ordnung der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut, zu einem großen Teil bestehen sie aber bis heute. Wie mit ihnen umgegangen werden soll, ist nach wie vor umstritten. "Die einfachste Ausführung einer Denkmal- kommentierung ist das Anbringen von Farbe. Als Handwerkszeug hierfür dienen entweder Angriffe mit der Sprüh- dose, einem Farbbeutel oder andere, verfeinerte Techniken des An- und Ausmalens." (Klaus Schönberger, Konflikte um Denkmäler als Kämpfe um den öffentlichen Raum, in: Karl C. Berger u.a. (Hrsg.) "Es wäre ja schade, wenn alles ge- klärt wäre", Münster 2023, S. 225)




"Eisernes Kreuz" Fotogrammetrie 80x120cm, 2025
Die Kriegsnagelung aus dem 1.Weltkrieg befindet sich in Vaihingen/Enz


"Die Wacht am Rhein" Fotogrammetrie 80x120cm, 2025
Das Objekt befindet sich in Mainz direkt am Dom


"Der Eiserne Helfensteiner" Fotogrammetrie 80x120cm, 2025
Das Objekt befindet sich in Geislingen


"Befreiungskrieg" Fotogrammetrie 80x120cm, 2025
Vorbild: Kreuzberg, Berlin

Fotogrammetrien - Kriegsnagelungen: Die Fotos sind aus gescannten noch existierenden Kriegsnagelungen entstanden. Kriegsnagelungen dienten der Sammlung von Spenden während des Ersten Weltkriegs. Je nach Höhe der gespendeten Geldbeträge durften ver- schiedene Nägel in Kriegswahrzeichen geschlagen werden, was als patriotischer Aktion gesehen wurde. Die Nage- lungen fanden hauptsächlich vom Frühjahr 1915 bis Ende 1916 statt. Das Interesse ermüdete schnell, als sich abzeichnete, dass der Krieg nicht so einfach und schnell wie erwartet gewonnen werden konnte. (vgl. Gerhard Schneider, In Eiserner Zeit, Schwalbach 2013)




"Der Sieger von Tannenberg" Fotogrammetrie eines nachmodellierten Modells 80x120cm, 2024


"Garnisonskirche Potsdam" Fotogrammetrie 80x120cm, 2025


"Der Sieger von Tannenberg - gestürzt" Keramik 24x24x17cm, 2024

Fotogrammetrien und Keramik: Drei Fotogrammetrien (Kreuzberg, Der Sieger von Tannenberg, Potsdamer Garnisonkirche) spannen den Bogen der Kriegsdenkmale von den Befreiungskriegen bis heute. "In Berlin und Potsdam geht es darum, an das preußische Erbe anzuknüpfen und die zentralen Symbolbauten der Hohenzollernmonarchie zu nationalen Symbolen des heutigen Deutschlands zu erheben. [...] Auch hier will man die Geschichte des 20. Jahrhunderts ausradieren und ungeschehen machen." (Phillip Oswalt, Bauen am nationalen Haus, Kunstforum International Band 300, Köln 2025)



Der Film "Zeitenwende" entstand 2023 in Zusammenarbeit mit Ute Woracek. Es ist ein Video mit einem enervierenden Sound. Zitate von Erich Kästner werden in Beziehung zur heutigen Situation nach der 2022 ausgerufenen Zeitenwende gesetzt. Kästners Zitate symbolisieren Notausgänge aus einem unendlichen Tunnel, der mit Kriegsgerät gefüllt ist und aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.



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